Weltweit werden aktuell etwa 6.500 verschiedene Sprachen gesprochen. Grammatik, Wortschatz und Syntax der einzelnen Sprachen unterscheiden sich dabei teilweise erheblich. Doch auch die Schriftform variiert von Sprache zu Sprache. Wir werfen deshalb heute einen Blick auf die verschiedenen Schriftsysteme, die weltweit verwendet werden, um Sprache schriftlich festzuhalten. Denn hierfür gibt es unglaublich viele, oft sehr faszinierende Möglichkeiten.

Einen ersten Überblick liefert folgende Infografik zu den Schriftsystemen der Welt:

1. Alphabetschriften

Alphabetschriften bestehen aus einer festen Anzahl an Buchstaben, die in einer bestimmten Reihenfolge sortiert werden – dem Alphabet. Die alphabetischen Buchstaben bezeichnen jeweils einen Laut, ein sogenanntes Phonem.

Lateinisches Alphabet

Das lateinische Alphabet wird von den meisten Sprachen in Europa verwendet, zum Beispiel von Englisch, Französisch oder Spanisch. Auch Deutsch wird mit lateinischen Buchstaben geschrieben.

Um den sprachlichen und lautlichen Besonderheiten jeder Sprache gerecht zu werden, existieren in vielen Sprachen zusätzliche Buchstaben, die meist mit Hilfe von diakritischen Zeichen vom lateinischen Grundalphabet abgeleitet wurden.

Im Deutschen werden zum Beispiel die zusätzlichen Umlaute <ä>, <ö> und <ü> so gebildet. Auch Konsonanten werden so angepasst: Im Polnischen existieren zum Beispiel die Buchstaben <Ł> und <Ż>, um bestimmte Laute des Polnischen in der Schrift abzubilden.

Griechisch

Die griechische Schrift gilt als die erste Alphabetschrift. Von ihr stammen unter anderem das lateinische und das kyrillische Alphabet ab. Die griechische Schrift selbst ist eine Weiterentwicklung der phönizischen Schrift und entstand um 800 v. Chr.

Das griechische Alphabet besteht heute aus 24 Buchstaben, die jeweils als Majuskeln (Großbuchstaben) und Minuskeln (Kleinbuchstaben) vorkommen. Manche griechischen Buchstaben wie <A> oder <B> wurden identisch ins lateinische Alphabet übernommen und lassen sich so leicht identifizieren.

Schülern begegnet das griechische Alphabet heute vor allem im Mathe- und Physikunterricht: Viele mathematische und physikalische Symbole werden durch griechische Buchstaben dargestellt. So dient beispielsweise der Kleinbuchstabe λ in der Physik als Formelzeichen für die Wellenlänge.

Kyrillisch

Die kyrillische Schrift wird in vielen slawischen Sprachen Europas und Asiens verwendet. Ihre Ursprünge liegen wohl im 10. Jahrhundert, als Bischof Konstantin von Preslaw Buchstaben aus dem griechischen Alphabet verwendete, um seine altbulgarische Sprache aufzuschreiben. Für altbulgarische Laute, die es im Griechischen nicht gab, verwendete Konstantin Buchstaben aus der glagolitischen Schrift.

Im Lauf der Geschichte hat jede Sprache, die kyrillische Buchstaben verwendet, ein eigenes Inventar an Buchstaben entwickelt. Neben den slawischen Sprachen wie Bulgarisch, Russisch, Serbisch oder Ukrainisch verwenden auch die Turksprachen wie Kasachisch oder Kirgisisch das kyrillische Alphabet.

Georgisch

Das georgische Alphabet besteht aus 33 Buchstaben. Die 28 Konsonanten- und 5 Vokalzeichen von Mchedruli sind in der Reihenfolge des griechischen Alphabets angeordnet. Die georgischen Buchstaben zeichnen sich vor allem durch ihre geschwungenen und eleganten Formen ab.

Dabei hat die georgische Schrift seit ihrer Entstehung im 5. Jahrhundert nach Christus viele Veränderungen durchlebt. Das heute verwendete Mchedruli entstand erst im 11. Jahrhundert aus einer älteren Kursivschrift, dem Nuschuri. Im Gegensatz zum lateinischen Alphabet gibt es in der georgischen Schrift keine Unterscheidung von Groß- und Kleinbuchstaben.

Hangul (한글)

Auch das koreanische Alphabet, das sogenannte Hangul, ist eine Buchstabenschrift. Hangul besteht aus 19 Konsonanten und 21 Vokalen. Diese werden durch 14 Zeichen für die Konsonanten und 10 Zeichen für die Vokale dargestellt.

Die Besonderheit beim koreanischen Alphabet: Die einzelnen Buchstaben werden beim Schreiben jeweils silbenweise in quadratische Blöcke zusammengefasst. Die Zusammensetzung der Silbenblöcke hängt dabei von der Form der enthaltenen Buchstaben ab:

han
gul

2. Konsonantenschriften (Abdschad)

Wie der Name schon erahnen lässt, werden bei Konsonantenschriften nur Zeichen für Konsonanten verwendet. Das ist möglich, weil die Morphologie und Lexik mancher Sprachen rein auf Konsonanten basiert. Vokale können in der Schrift deshalb weggelassen werden, ohne dass es beim Lesen zu Verständnisproblemen oder Mehrdeutigkeiten kommt.

Die arabische Schrift ist heute die am weitesten verbreitete Konsonantenschrift der Welt. Sie wird von rechts nach links geschrieben und enthält 28 Zeichen – die alle für einen Konsonanten stehen. Es gibt viele verschiedene Schriftformen und Schrifttypen der arabischen Schrift. Allen arabischen Schrifttypen ist jedoch gemein, dass sie Kursive sind. Beim Schreiben werden also die Buchstaben eines Wortes verbunden und nicht getrennt nebeneinander geschrieben.

Auch Hebräisch wird in einer Konsonantenschrift von rechts nach links geschrieben. Ursprünglich waren alle Buchstaben reine Konsonanten. Allerdings fungieren inzwischen manche Konsonantenzeichen als Hilfszeichen, um Vokale abzubilden. So können Mehrdeutigkeiten verhindert werden. Beim Wort „Tora“ (תורה) lässt sich dies gut erkennen:

ה ר ו ת
He Resch Waw Taw
A R O T

Das ה (He) am Wortende zeigt an, dass das Wort auf den Vokal /a/ endet. Nicht alle Vokale werden jedoch so geschrieben. Besonders kurze Vokale erkalten kein Schriftzeichen – das macht die Aussprache vieler hebräischer Wörter für Ungeübte oft ziemlich schwer!

3. Abugida

Die Abugidas sind eine Mischform aus Alphabetschrift und Silbenschrift. Bei diesem Schreibsystem werden die Buchstaben nicht streng nach der tatsächlich gesprochenen Reihenfolge angeordnet, sondern einzelne Silben bilden je eine graphische Einheit. Diese Silbengruppen bestehen ihrerseits aus kleineren Segmenten. Damit ähneln die Abugida-Schriften der koreanischen Schrift.

Ein Beispiel für einen solchen Schrifttyp ist die indische Devanagari-Schrift. Bei dieser Schrift können die Vokalzeichen nicht alleine stehen, sondern müssen mit einem Konsonantenzeichen stets eine feste Einheit bilden. Außerdem enthält jeder Konsonant einen inhärenten Vokal:

Neben vielen weiteren Sprachen im indischen und asiatischen Raum wird auch Äthiopisch auf diese Weise geschrieben. Die äthiopische Schrift war ursprünglich eine reine Konsonantenschrift (wie das Arabische oder das Hebräische). Mit der Zeit entwickelten sich jedoch diakritische Zeichen, durch die am Konsonanten angezeigt wird, welcher Vokal folgt. Die äthiopische Schrift wird heute unter anderem für die Gurage-Sprachen in Äthiopien und das Tigre in Eritrea verwendet.

4. Logographische Schriften

Das bekannteste Beispiel für eine logographische Schrift ist sicherlich die chinesische Schrift. Bei logographischen Schriften wird die Bedeutung einzelner Sprachausdrücke durch grafische Zeichen wiedergegeben. Ein Schriftzeichen steht dabei also nicht für einen Laut und es gibt kein Alphabet, das den Phonem-Bestand einer gesprochenen Sprache wiedergibt. Ein Schriftzeichen steht vielmehr für eine bestimmte Bedeutung.

Die Folge: Es gibt in der chinesischen Schrift circa 87.000 unterschiedliche Schriftzeichen. Um im Alltag zu kommunizieren reicht es allerdings, wenn man 3.000 bis 5.000 Schriftzeichen kennt – immer noch ziemlich viele! Zwei Beispiele: Das Schriftzeichen 马 bedeutet in der vereinfachten chinesischen Schrift „Pferd“; das Zeichen 龙 steht für „Drache“.

Andere bekannte logographische Schriften sind die ägyptischen Hieroglyphen oder die antike Keilschrift, wie sie im Vorderen Orient vor über 5000 Jahren entstand.

5. Silbenschriften

Im Gegensatz zu den Buchstaben einer Alphabetschrift stehen die Schriftzeichen einer Silbenschrift, die sogenannten Syllabogramme, für größere lautliche Einheiten. Die meisten Silbenschriften bestehen aus einigen Dutzend bis mehreren Hundert solcher Zeichen. Statt aus einem Alphabet bestehen Silbenschriften aus einem Syllabar.

Das Syllabar des Schriftsystem der Cherokee-Nation, die Cherokee-Silbenschrift besteht aus 85 Zeichen, die jeweils eine einzelne Silbe darstellen. Ein bekannteres Beispiel für eine Silbenschrift ist die japanischen Hiragana- und Katakana-Schriften. Jedes Hiragana-Zeichen entspricht dabei einem Vokal oder einem Konsonanten plus Vokal. Japanisch hat übrigens noch eine besondere Herausforderung auf Lage: Die Sprache wird mit gleich drei verschiedenen Schriftsystemen geschrieben! Neben den Silbenschriften werden auch logographische Zeichen verwendet, die auf der chinesischen Schrift basieren.