Was wäre das Leben ohne Farben? Farben nehmen einen hohen Stellenwert in Gesellschaft und Kultur ein und werden bewusst oder unbewusst mit vielerlei Bedeutungen assoziiert, die je nach Kulturkreis stark variieren können.

Wie Farben in anderen Kulturen wahrgenommen werden, wird am besten in Sprichwörtern und Redewendungen deutlich. Wussten Sie beispielsweise, dass man in Spanien nach einer körperlichen Auseinandersetzung kein blaues, sondern ein violettes Auge (ojo morado) davonträgt oder dass man in den Niederlanden schwarzen Schnee sieht (zwarte sneeuw zien), wenn man in Armut lebt? Hier haben wir für Sie eine bunte Mischung an Redewendungen zusammengetragen – natürlich farblich sortiert.

 Schwarz:

Der Deutsche „fährt schwarz“, wenn er ohne gültigen Fahrausweis ein öffentliches Verkehrsmittel benutzt und in Spanien legt man jemandem etwas Schwarzes an, wenn man ihn verärgert (poner negro a alguien). Wenn die Situation nicht so ausweglos ist, wie sie erscheint, sagt man in Rumänien, dass „der Teufel gar nicht so schwarz ist“ (n-o fi dracul atât de negru). In Schweden wird Eifersucht als „schwarze Krankheit“ bezeichnet (svartsjuk) und in Armenien nennt man junge Männer „Schwarzbärtige“. Schwarz wird auch als Ausdruck schlechter Zeiten verwendet: Die Polen legen Geld für „schwarze Stunden“ zurück (odkładać na czarna godzinę) und die Türken bezeichnen einen wahren Freund als „Freund für schwarze Tage“ (kara gün dostu).

 Weiß:

In Frankreich erhält man eine „weiße Karte“ (carte blanche), wenn man die Erlaubnis hat, alles zu tun, was man will. Die Chinesen kritisieren die Verschmutzung durch Plastiktüten mit dem Begriff „weiße Verschmutzung“ (白色污染) und eine schlaflose Nacht nennt man auf Hebräisch „weiße Nacht“ (לילה לבן). Heiratet man in Griechenland ohne seinen Partner zu lieben, wird dies als „weiße Hochzeit“ (λευκός γάμος) betitelt und in Kasachstan haben faule Menschen „weiße Finger“ (ақ саусақ).

 Blau:

Frauen, die sich voll und ganz der Wissenschaft verschrieben haben, werden in Russland „Blaustrumpf“ (синий чулок) genannt. Nach einem tollen Wochenende hat in Finnland niemand Lust auf den „blauen Montag“ (blåmandag) und wenn der Deutsche ausnahmsweise mal keine Lust hat zu arbeiten, „macht er blau“. Verträumte junge Mädchen warten in Italien oft vergeblich auf ihren „blauen Prinzen“ (il principe azzurro) und die Portugiesen sagen „alles ist blau“ (está tudo azul), wenn alles in Ordnung ist. Wer in den Niederlanden zu viel Geld ausgibt, „zahlt sich blau“ (zich blauw betalen). Wem es im englischsprachigen Raum nicht gut geht, „fühlt sich blau“ (to feel blue). Ein Schnorrer wird in Polen als „blauer Vogel“ (niebieski ptak) beschimpft und wer immer nur an das Eine denkt, hat bei den Hebräern einen „blauen Kopf“ (ראש כחול).

 Grün:

Wird ein Thailänder wütend, bekommt er einen „grünen Körper“ (ร่างกาย มีสีเขียว), wohingegen ein Heiler in Indonesien nur einen „grünen Finger“ (tangan hijau) hat. Auf Tamilisch bezeichnet man einen schlechten Menschen als „grünen Schurken“ (பச்சை பொரிக்கி), der, wenn er in einem javanischen Gefängnis landet, dort von „grünen Fliegen“ (laler ijo) – den Gefängniswärtern – bewacht wird. Als „grün und schleimig“ (Зелёный и склизкий) werden in Russland unehrliche Personen bezeichnet und einen Schulausflug nennt man in Polen „grüne Schule“ (zielona szkoła).

 Rot:

Bildschöne Menschen oder Dinge bezeichnet der Norweger als „rosenrot“ (rosenrødt). Ein Koreaner, der das schönste Mädchen wählt, sagt wörtlich: „Ich nehme den roten Rock“ (이왕이면 다홍치마), doch Schönheit währt nicht ewig, oder wie man in China sagt: „Ein rotes Gesicht stirbt früh“ (红颜薄命). Ein „roter Punkt“ (紅一点) ist in Japan die einzige Frau in einer Gruppe, die ansonsten nur aus Männern besteht und die Italiener bezeichnen Eigelb als „Eirot“ (rosso d’uovo). Wenn man etwas nicht bewerkstelligen kann, sagt man auf Schottisch-Gälisch „Ich kann es nicht rot machen“ (cha dearg mi air). In Arabien zeigen strenge Eltern ihren Kindern „das rote Auge“ (أعطه العين الحمراء), wenn sie sie tadeln und in Armenien sagt man zu einem unzähmbaren Tier „rotes Pferd“.

 Gelb:

Können sich zwei Hebräer nicht ausstehen, sind sie „gelb zueinander“ (צהובים זה לזה). Ein Grieche wird „gelb wie eine Goldmünze“ (κιτρίνισε σαν το φλουρί), wenn er verängstigt ist und in Bulgarien ist ein Anfänger „gelb um den Mund“ (имаш жълто около устата). Stiefkinder werden in Dänemark liebevoll „Kinder mit gelbem Nummernschild“ (børn på gule plader) genannt. Ein Rumäne, der zu viel redet, „wedelt mit kleinen gelben Fahnen“ (flutura steguleţe galbene) und der Spanier ruft freudig „Was für ein gelbes Gefühl!“ (¡Que emoción tan amarilla!), wenn er glücklich ist.

 Violett:

Unrealistische Vorstellungen nennt man in Ungarn „Violette Träume“ (lila álmok), dem Russen ist etwas „violett“ (мне фиолетово), wenn es ihm egal ist und eine Unverschämtheit wird auf Bengalisch als „hellviolett“ (পিয়াজি) bezeichnet. Im englischsprachigen Raum werden Adlige „im Violetten geboren“ (born in the purple). Ein Spanier, der zu viel gegessen hat, wird „violett“ (ponerse morado) und ein Armenier, der krank aussieht, hat ein „violettes Gesicht“.

Wie man unschwer erkennen kann, sind Farbassoziationen je nach Kultur sehr unterschiedlich. Das geht weit über Sprichwörter und Redewendungen hinaus: In westlichen Ländern tragen Bräute bei Hochzeiten traditionell weiße Kleider, wohingegen im ostasiatischen Raum in Rot geheiratet wird. Bei Beerdigungen tragen wir schwarz, in Indien zieht man hierfür weiß an. Auch Farbbegriffe an sich variieren  stark: So besitzen einige Sprachen in Neuguinea nur Wörter für „schwarz“ und „weiß“ (oder besser übersetzt: „dunkel“ und „hell“). Im Serbokroatischen wird blondes Haar als „blaues Haar“ (plava kosa) bezeichnet und im Thailändischen steht das Wort เขียว sowohl für „grün“ als auch für die Farbe des Himmels. Die kulturell unterschiedlichen Farbassoziationen stellen besonders Werbestrategen international agierender Unternehmen vor so manche Herausforderung. Gerade bei der Gestaltung des Webauftritts, eines Produktdesigns oder eines Logos sollte bezüglich der Farbauswahl daher gut recherchiert werden.

Quellen: Alan S. Kennedy’s Color/Language Project – COLOR IDIOMS IN DIFFERENT LANGUAGES (URL: http://www.starchamber.com/colors/color-idioms.html)
Twentytwowords – Color Idioms in other languages (URL:
http://twentytwowords.com/color-idioms-in-other-languages)
Dict.cc – Online-Wörterbuch (URL:
http://browse.dict.cc/)
Wikipedia (URL:
www.wikipedia.de)