Was ist Lokalisierung?

Lokalisierung gibt es in vielen Bereichen des Lebens. Eine ganz spezielle Form davon, nämlich die Übersetzung von Texten bzw. Webseiten im internationalen (Online-)Handel, beschäftigt ein Überstzungsbüro beinahe täglich. Deswegen möchten wir hier gern ein paar Worte darüber verlieren.
 
Begriff mit vielen Bedeutungen
Wer von Lokalisierung, also Ortsbestimmung, spricht, meint nicht immer dasselbe. Mediziner setzen diesen Begriff ein, wenn sie die Körperstellen beschreiben, an denen der Patient Schmerzen hat. In der Logistik bezeichnet er das Orten der beförderten Güter. Eine ähnliche Bedeutung hat der Begriff in der mobilen Kommunikation (Ortung von Smartphones via Spezial-App oder iCloud). Für Wirtschaftler ist Lokalisierung gleichbedeutend mit Regionalisierung und steht für die Anpassung an den gewählten Zielmarkt. Software-Entwickler lokalisieren ihre Produkte, indem sie sie auf die im Zielland vorherrschenden kulturellen und sprachlichen Gepflogenheiten ausrichten.
Webseiten und Software lokalisieren
Unternehmen, die ihre Produkte auch in anderen Ländern verkaufen möchten, kommen um eine Anpassung ihrer Webseite nicht vorbei. Alle Inhalte müssen sprachlich so umgesetzt werden, dass sie von den ausländischen Besuchern richtig verstanden werden. Wortwörtliche Übersetzungen können dabei manchmal komisch, teilweise aber sogar peinlich oder anzüglich wirken. Viele Wörter haben in anderen Sprachen einfach eine andere Bedeutung. Schlimmstenfalls führt das dann zu Absatzschwierigkeiten oder sogar juristischen Problemen. (Das glauben Sie nicht? Hier gibt es ein schönes Beispiel – Dinge, die sich kein Unternehmen wünscht!) Besondere Vorsicht ist daher bei der Übersetzung geboten.
Das am häufigsten lokalisierte Produkt ist Software, die für den globalen Markt entwickelt wurde. Sie wird dann den Gegebenheiten der betreffenden nationalen Absatzmärkte angepasst, eine aufwändige Arbeit, die meist nur von Übersetzern mit entsprechenden Programmier-Kenntnissen geleistet werden kann.
Ein schönes Beispiel für falsche Übersetzung findet sich übrigens bei Facebook. Wenn man in seinem Facebook Status angibt, man sei „entspannt“, wird dort auf Italienisch „erkältet“ verwendet – hier wurde wohl das englische „cool“ in der ursprünglichen Bedeutung verwendet.
Lokalisierung tritt sogar bei der vermeintlich gleichen Sprache auf: bei der Umsetzung von britischem in amerikanisches Englisch und umgekehrt: Wer in den USA zum Beispiel von pants spricht, meint in Großbritannien trousers. Dort bezeichnen pants nämlich peinlicherweise nur Unterhosen.
Selbst hier muss also lokalisiert werden.
Um eine korrekte Übersetzung abzuliefern, muss man die Besonderheiten der Zielmärkte und die Traditionen, kulturellen Eigenheiten und Gewohnheiten der dort lebenden Konsumenten berücksichtigen. Und darin sind Übersetzer meistens Profis.
Was unbedingt lokalisiert werden muss
Bei Lokalisierungen wird der gesamte Webseiten-Content nicht einfach nur in die Zielsprache umgesetzt: Er muss in die Marketing-Strategie des werbenden e-Commerce-Unternehmens eingebunden werden, um die avisierten Zielgruppen zu erreichen.
Unbedingt an die nationalen Gegebenheiten angepasst werden müssen beispielsweise
  • Zeitangaben (12-Stunden- oder 24-Stunden-Format)
  • Datum (Reihenfolge von Tag, Monat und Jahr)
  • Temperaturen (Celsius, Fahrenheit)
  • Telefonnummern-Formate (Länder- und Stadt-Vorwahlen)
  • Maßeinheiten (Zentimeter, Inch, Gramm, Pfund etc.)
  • Währungen
  • Kleidungsgrößen
  • kulturelle Normen (keine zu freizügigen Darstellungen)
  • religiöse Traditionen (Feiertagsregelungen)
  • rechtliche Vorschriften
Außerdem ist es notwendig, audiovisuelle Änderungen vorzunehmen: Man verwendet die Symbole, Zeichensätze, Schriftarten, Bilder, Grafiken und Sprachausgaben des Ziellandes und passt die gesamte Lokalisierung dem Verbraucher-Verhalten der dort lebenden Zielgruppe an.
Was nicht lokalisiert wird
Im Sinne einer einheitlichen Firmenpolitik und der Corporate Identity dürfen bestimmte Inhalte bei der Webseiten-Übersetzung unter keinen Umständen lokalisiert werden. Denn sie präsentieren das werbende Unternehmen als Global Player.
Dazu gehören vor allem
  • die Marken-Botschaft
  • zentraler Firmensitz/Verkaufshaus (Headquarter)
  • die Tonalität der Werbebotschaft.
In den meisten Fällen bekommen Übersetzer von Unternehmen Vorschriften und Hinweise, wie zu übersetzen ist. Es muss also niemand in Panik verfallen, wenn eine Lokalisierungs-Anfrage im Postfach liegt.
Haben Sie sich schon mal mit dem Thema Lokalisierung beschäftigt? Auf welche Schwierigkeiten sind Sie gestoßen?